5 Tipps für den Umgang mit Angsthunden

Das Leben mit einem Angsthund kann eine Herausforderung sein und so manchen Halter an seine Grenzen bringen. Diese fünf Tipps helfen, den gemeinsamen Alltag zu meistern.

Ein Gastbeitrag von Julie & Bonnie.

1. Arbeite über positive Verstärkung

Das gilt für alle Hunde, besonders aber für Angsthunde. Wende keine Gewalt oder positive Strafe an (weder verbal noch körperlich). Trainiere stattdessen über positive Verstärkung, indem du jedes erwünschte Verhalten deines Hundes belohnst (z.B. durch Loben, Spielen oder Geben von Leckerli) und es somit positiv bestätigst. Deinen ängstlichen Hund durch positive Strafe unter Druck zu setzen, einzuschüchtern, zu erschrecken oder gar körperlich weh zu tun ist (selbstredend) kontraproduktiv für deinen ängstlichen Hund – und wirkt sich darüber hinaus negativ auf eure Beziehung aus. Und du willst schließlich, dass dein Hund dir vertraut und nicht auch Angst vor dir bzw. einer Bestrafung von dir entwickelt.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein Trainer oder deine Trainerin positive Strafe anwendet oder nicht, kannst du hier nachlesen, woran du einen guten Hundetrainer erkennst.

2. Ignoriere die Angst nicht

Die Angst eines Hundes zu ignorieren ist eine veraltete, längst widerlegte Theorie, die leider immer noch von einigen Trainern empfohlen wird. Wenn du deinen ängstlichen Hund ignorierst, fühlt sich dieser hilflos und unverstanden – die Angst wird dadurch nicht besser. Dass man die Angst eines Hundes durch Zuwendung verstärken kann, ist übrigens genauso ein Mythos (den ich bereits hier diskutiert habe). Wenn dein Hund dir mithilfe seiner Körpersprache zeigt, dass er Angst hat, dann ignoriere ihn nicht, sondern sei für ihn da und versuche ihn aus der Situation herauszunehmen. Auf keinen Fall solltest du ihn absichtlich in eine Angstsituation bringen und ihn durchzwingen à la “Da muss er jetzt durch!”. Nur wenn dein Hund lernt, dir zu vertrauen, könnt ihr gemeinsam an der Angst trainieren.

3. Trainiere an der Angst

Die Angst deines Hundes wird nicht einfach so verschwinden (daher bringt das Ignorieren auch nichts). Für ein erfolgreiches Training ist es essentiell, die einzelnen Angstauslöser deines Hundes zu kennen und gezielt an diesen zu trainieren. Wichtig ist, dass der Hund nicht permanent Angstauslösern ausgesetzt wird. Bei einer Reizüberflutung kann er nämlich weder denken noch lernen. Daher solltest du, in kleinen Schritten, an einem Angstauslöser in einer Umgebung mit kontrollierten Reizen üben. Solange der Hund aufnahmefähig ist und sein Stresslevel nicht (zu) hoch ist, kann er schrittweise an den Angstauslöser gewöhnt werden (Desensibilisierung) und ihn mit etwas Positivem verknüpfen (Gegenkonditionierung).

4. Sorge für ausreichend Ruhe und Entspannung

Du solltest dafür sorgen, dass dein Hund genügend Ruhephasen hat. Vor allem Angsthunde sind öfter gestresst und für eine positive Entwicklung und Erholung müssen sie immer wieder zur Ruhe kommen. Tagsüber solltest du daher regelmäßig für Entspannung deines Hundes sorgen, egal, ob er hierbei auf seinem Deckchen liegt, in seiner Box oder in deinem Bett schlummert. Übrigens schlafen Hunde nicht nur nachts, sondern auch tagsüber – und das bis zu 18 Stunden am Tag! Schlafphasen sind sehr wichtig, denn Hunde verarbeiten das Erlebte im Schlaf.

5. Akzeptiere deinen Hund

Das ist das Allerwichtigste. Akzeptiere, dass dein Hund vorsichtig und ängstlich ist, sei es angeborene Furcht oder erlernte Angst oder gar Phobie vor bestimmten Objekten, Geräuschen oder Menschen. Durch Training kann und wird es besser, doch wirst du deinen Angsthund nicht in einen gelassenen, furchtlosen Hund verwandeln können. Je eher du deinen Angsthund als solchen akzeptierst, desto einfacher wird euer alltägliches Zusammenleben und umso gelassener gehst du mit der Situation um.

Natürlich bist du in vielen Dingen eingeschränkter als die Halter mit „normaleren“ Hunden. Aber vergiss nicht, dass dein Hund wiederum andere positive Seiten hat (um welche dich die anderen beneiden). Darum ist es auch ganz wichtig, dich und deinen Hund nicht mit anderen zu vergleichen! Kein Hund ist perfekt und wir alle müssen an bestimmten Verhaltensweisen unseres Hundes arbeiten.

Wenn wir uns nur auf die Angst und die damit verbundenen alltäglichen Schwierigkeiten konzentrieren, übersehen wir häufig die kleinen Erfolgsschritte unseres Hundes – und gerade diese Erfolgserlebnisse sind wichtig für unsere Bindung und die Selbstsicherheit des Hundes.

Wie du siehst, bist du mit deinem Angsthund und deiner Situation nicht alleine. Lass dich daher nicht entmutigen und gib das Training mit deinem ängstlichen Hund nicht auf! Es ist arbeits- und vor allem zeitintensiv, aber es lohnt sich. Oftmals hilft auch ein Austausch mit Gleichgesinnten (auf der Hundewiese oder online in Hundecommunities).

Über die Autorin:


Julie lebt mit ihrer rumänischen Mischlingshündin Bonnie in Heidelberg.
Sie absolviert eine Trainerausbildung bei der Tierakademie Scheuerhof und bloggt auf Julie & Bonnie unter anderem über den richtigen Umgang mit Angsthunden und das Training über positive Bestärkung. Ihre Hündin Bonnie stammt aus dem Tierschutz und ist ein Angsthund.

5 Tipps für den Umgang mit Angsthunden
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10 Kommentare

  1. Mein Hund kommt aus Russland. Angst und scheu. Jedoch auch listig. Er ist total auf mich fixiert. Beobachtet mich ständig wo ich hingehe was ich mache. Problem. Er tut sich schwer mit anderen Hund. Selten das er mal aufdreht wie gestern und rast mit einem anderen Hund über die Felder. In der Hundeschule hat er nichts im Sinn mit anderen Hunden. Er will mich für sich alleine. Meine Katze ist auch nicht sein Ding. Bin vor 4 Monaten umgezogen. Getrennt. Mein Mann hat 1 Malteser. Früher haben sie zusammen gespielt. Aber nicht lange. Er zieht sich immer zurück wenn es ihm zu viel wurde. Mein Hund ist 4 Jahre. Mit gut einem Jahr bekommen. Früher schon mal Hundeschule besucht. Mässig gut. Er gehorcht mir gut. Der Hund ist ein Weibchen und mehr in sich gekehrt. Wie bekomme ich ihn mit anderen Hunden zusammen.
    Würde mich auf eine Nachricht freuen.

    • Liebe K. Meuser, für einen ausgewachsenen Hund von 4 Jahren ist es völlig normal, sich nicht besonders für andere Hunde zu interessieren. Erst recht, wenn er aus dem Tierschutz stammt. Daher solltest du dich hierum nicht sorgen, sondern es einfach akzeptieren. Wenn er den Kontakt möchte, wird er von selbst den Kontakt zu anderen Hunden suchen. Solltest du beim Spaziergang andere Hundehalter mit ihren Hunden regelmäßig treffen, gehe ein Stück mit ihnen und quatsche ein Bisschen. Wenn die Hunde sich immer wieder sehen und ein Stück miteinander laufen, freunden sie sich oft an – natürlich nur bei Sympathie und wenn es passt. LG Suse mit ihrer kleinen Rumänin Tippi

  2. Vielen Dank für die wundervollen Tipps.
    Mein kleiner, rumänischer Rüde aus dem Tierschutz
    ist ein Jahr und wir 14Wochen zusammen.
    Sehr ängstlich und ich mache es instinktiv, so wie
    Im Bericht geschrieben – merke auch, dass Krümel schon um einiges ruhiger und gelassener geworden ist. Hundetraining machen wir auch
    Krümel hat auch immer wieder seine Ruhephasen und ich zwinge ihn zu nichts. Wird ganz viel gelobt. Es braucht halt viel Geduld und Liebe

  3. Ich habe eine Hündin Labrador die ist 1 Jahr alt, lieb , aber ängstlich stehen Autos, Mühl Containe , zieht immer beim spazieren , ich ruf sie Fuß, sie kommt aber ziehen sie gleich wieder die Leine vor. Beim Leute vorbei laufen wir sie wegrennen 🙈.
    Was könnte ich dagegen machen?

  4. Hallo habe einen 6 Monaten hund aus Griechenland bei uns geht es gut aber er knurrt jeden anderen an wie helfe ich ihm und uns am besten Gruß corina

  5. Ich habe auch eine 6jährige Labrador Hündin aus dem Tierschutz seid 5 Monaten. Sie ist schon gut aufgetaut. Da sie in den kurzen Zeitraum 2x läufig und 2x gut Scheinträchtig war, ist es sehr schwierig sie aus der Angst raus zu bekommen, denn sie fällt in diesem Zeitraum stark zurück. Wir lassen sie jetzt kastrieren und hoffen das sie dann mehr Lebensfreude gekommt.

  6. Hallo, wir haben vor einem Monat eine 1 Jahr alte Hündin aus Zypern geholt. Sie ist auf der Straße aufgewachsener Hund, der mit ca. 6 Monaten eingefangen wurde. In den einem Monat bei uns hat sie sich toll entwickelt. Auch mit unserer alter Hündin und den Kindern kommt sie immer besser klar. Ihre Hauptbezugsperson bin ich und von mir hat sie fast gar keine Angst, auch wenn ich lauter rede o. ä. Sie hat aber extreme Angst von meinem Mann und es wird eher schlimmer als besser. Er spricht mit ihr mit leiser, ruhiger stimme, versucht sie in keine Situation zu bringen wo sie Angst bekommen könnte. Wenn sie alleine zuhause sind, ist es etwas besser. Aber wenn ganze Familie da ist, rennt sie ängstlich weg, wenn mein Mann nur vorbei läuft. Sie ist ein wirklich toller Hund und entwickelt sich gut, nur diese extreme Angst von meinem Mann macht uns Sorgen. Wie sollte wir mit dieser Situation umgehen?

  7. Manuela Hollmann

    Hallo, habe eine 7 jährige Windhündin die schlecht alleine bleiben kann. Sie friesst dann immer den Putz von der Wand ab und macht sich auch an den Möbel zu schaffen. Ich muss jeden Tag 5 Stunden arbeiten , sodass sie immer bis zu 6 Stunden allein bleiben muss. Ich weiss aber nicht richtig wie man diesen Zustand trainieren soll.

    • Hallo Manuela,

      klein fängst du an. Zuerst muss ein Hund lernen, dass du ein Zimmer verlassen kannst, später die Wohnung. Das weitest du aus – in winzigen Schritten. Ein Entspannungssignal kann helfen. Und die Fortschritte sind auch etwas davon abhängig, warum dein Hund alles anfrisst, wenn sie alleine ist. Einige haben Langeweile, andere sind frustriert und wiederum andere haben Trennungsangst.
      Das lässt sich kaum trainieren, wenn man durchgehend mehrere Stunden arbeitet und keinen Urlaub nimmt. Vielleicht wäre ein Dogsitter eine gute Übergangslösung für euch?

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