Click für Blick – das Spiel für impulsive Hunde

Beim Anblick eines Reizes reagieren, ohne nachzudenken – typisch für impulsive Hunde. „Click für Blick“ ist Impulskontrolltraining und Einstieg in gezieltes Begegnungstraining.

Click fuer Blick

Was ist „Click für Blick“?

„Click für Blick“ ist ein Spiel bzw. eine Übung im Hundetraining, bei der der Hund für das ruhige Ansehen eines Reizes belohnt wird. Es kommt vor allem in Situationen zum Einsatz, in denen sich ein Hund aufregt und unter Stress steht. Egal ob er ängstlich ist, aggressiv oder einfach nur frustriert, ob er flüchten möchte oder hinterher laufen. Der Hund soll nicht euch angucken, sondern den Reiz. Das ist das Entscheidende und auch das, was meist missverstanden wird.

Auch wenn es einfacher zu sein scheint, dem Hund beizubringen, in schwierigen Situationen ausschließlich euch Halter anzuschauen, löst dies nicht das Problem an sich, z. B. das Hinterher-hetzen von Wild, das Anbellen von entgegenkommenden Hunden usw.. Mit dieser Methode lenkt ihr euren Hund nur ab. Bei „Click für Blick“ lernt euer Hund, den Reiz auszuhalten und ruhig zu bleiben. Dafür wird er belohnt – das Verhalten markiert (z. B. mit Klicker oder Markerwort) und eine Belohnung gegeben.

Wichtig ist, dass euch bewusst ist, dass das „Click für Blick“ keine Übung ist, die jegliche Probleme löst. Sie ist eher als Trainingseinstieg zu verstehen.

Vorteile von dieser Übung

Das „Click für Blick“ ist eine ganz tolle Übung und kann bei ganz vielen Problemen eingesetzt werden. Ihr belohnt den Hund für richtiges Verhalten und sorgt damit zugleich, dass unerwünschtes Verhalten gar nicht erst gezeigt wird.

Mit dem Belohnen eines bisher eher negativen Reiz verändert ihr die Emotionen eures Hundes. Er wird den Hund, das Reh, den Menschen o. a. positiver wahrnehmen, denn auch dieser wird zum Teil einer Verhaltenskette, an dessen Ende eine Belohnung wartet.

Außerdem fördert ihr euren Hund darin, selbstständig eine Entscheidung zu treffen. Er kann sich trotzdem für das Aufregen entscheiden. Oder er entscheidet sich dafür mitzuspielen. Das fördert die Selbstsicherheit von Hunden, was gerade bei ängstlichen und unsicheren Hund von Vorteil ist.

So funktioniert „Click für Blick“

Zunächst müsst ihr euren Hund auf den Clicker (Knackfrosch oder beliebiges Markerwort) konditionieren. Klicken und sofort ein Leckerli geben – Click-Leckerli, Click-Leckerli,… So lange bis euch euer Hund beim Geräusch des Clickers sofort erwartungsvoll anschaut. Dann hat er verstanden, dass dem Click immer eine Belohnung folgt. Der Click bedeutet soviel wie „Super gemacht! Hier kommt der Keks.“. Der Keks muss dabei kein Leckerli sein. Nutzt eine Belohnung, die euer Hund auch wirklich mag. Vielleicht ist ein kurzes Spiel, das Wegwerfen eines Dummys, das Nachschnüffeln einer Spur, ein bisschen Knuddeln oder etwas ganz anderes viel schöner für ihn.

Nun gilt es, den Blick zu finden und zu klicken. Gerade, wenn ihr mit Markertraining noch wenig Erfahrung habt oder es in sehr schwierigen Situationen einsetzen wollt, solltet ihr zuvor etwas üben. Überlegt euch etwas, was euer Hund anschauen soll und übt es in ablenkungsfreier Umgebung. Zum Beispiel könnt ihr den Blick zu einer Zimmerpflanze trainieren. Oder zu einem Fahrrad, das allein an einer Hauswand lehnt. Ihr wartet ab bis der Hund zufällig kurz hinguckt, klickt sofort und gebt die Belohnung.

Wenn die Trockenübung klappt, könnt ihr euch an den Rand der Gefahrenzone wagen. Am besten sucht ihr euch Situationen, in der ihr kurz übt und die ihr dann auch wieder verlassen könnt. Übt also nicht gleich beim Erzfeind, der euch auf einem Weg entgegenkommt und dem ihr nicht ausweichen könnt.

Der aufregende Reiz befindet sich in angemessener Entfernung, ihr belohnt drei- bis viermal den Blick dorthin und geht dann mit eurem Hund von ihm weg. Motiviert euren Hund mit euch zu kommen, freut euch sichtlich, werft ein Leckerli in die neue Laufrichtung, rennt ein paar Meter – was eurem Hund gefällt. Das ist bereits der Einstieg zum nächsten Schritt, dem Umkehrsignal und dem freiwilligen Abwenden vom Aufreger.

Nach und nach könnt ihr den Click für den Blick etwas hinaus zögern. Das irritiert manche Hunde zunächst und sie sehen euch zweifelnd an. Habt ihr nicht gesehen, dass ich dorthin geguckt habe? Aber sie werden wieder hinschauen. Dieses Mal vielleicht schon etwas länger, um sicher zu sein, dass ihr es auch mitbekommt. So wird der Blick zum Reiz immer länger dauern. Aber übertreibt es nicht, damit euer Hund weder Lust noch Nerven verliert. Mit kleinen Schritten kommt ihr manchmal schneller zum Ziel.

Begegnungstraining Leinenaggression Jagdtrieb

Schwierigkeiten beim Hundetraining

Die größte Schwierigkeit bei dieser Übung ist das richtige Timing. Oft sind es größere Baustellen wie Leinenaggression und das Hetzen von Wild, die man so etwas besser in den Griff bekommen möchte. Allerdings erreichen viele Hunde schnell den Punkt, an dem sie nicht mehr ansprechbar sind und kreischend in der Leine hängen. Hier müsst ihr schauen, dass ihr in einem Bereich anfangt, in dem ihr euren Hund noch erreichen könnt. Hier findet ihr unsere Tipps zur Auswahl der besten Hundeleine für die Erziehung Eures Hundes.

Bei einigen Hunden müssen Reh, Hund, Mensch zu Trainingsbeginn noch weit weg am Horizont laufen. Fangt einfach an und steigert langsam. Hier gibt es tatsächlich rassebedingte Unterschiede. Hüte- und Treibhunde regen sich oft sehr schnell und stark auf, sind aber eher noch ansprechbar. Terrier und Bulldoggen sind eher für Zwecke gezüchtet, bei denen sie bei der Sache bleiben müssen und sich nicht ablenken lassen dürfen. Sie umzuorientieren, vom Gegner weg, ist manchmal etwas schwieriger.

Eine mögliche Gefahr ist das Belohnen des Anstarrens eines Gegners. Bei dieser Übung belohnt ihr das ruhige Ansehen von etwas, aber der Übergang zum Starren ist sehr schwammig. Das Anstarren ist eine bedrohliche Geste und es ist schwerer, einen Hund dabei umzuorientieren. Wenn ihr aber mit großem Abstand anfangt, kurze, ruhige Blicks belohnt und immer drauf achtet, euch danach umzuorientieren und euch vom Gegner zu entfernen, ist die Gefahr gar nicht so groß.

Unterschätzt wird gern mal die eigene Stimmung. Sie hat großen Einfluss auf das Hundetraining allgemein und noch mehr auf Übungen wie diese. Hier wollt ihr die Emotionen eures Hundes verändern und es kommt auf Ruhe an. Wenn man es selbst nicht ist, fällt es auch dem Hund schwer.

Unsere Erfahrung mit „Click für Blick“

Wir nutzen diese Übung schon seit einigen Jahren. Bei uns kommt es vor allem bei Hundebegegnungen und bei Wildsichtung zum Einsatz.

Ich habe gleich zu Beginn die Reize namentlich benannt. Dieses Benennen muss nicht sein, denn es funktioniert auch ohne. Ich sage „Schau Reh!“ oder „Schau Hund!“. Beides brauche ich für Muffin recht häufig und er weiß dann gleich, dass ich es auch gesehen habe und was ich von ihm erwarte. Das Ankündigen von Dingen, die er noch nicht gesehen hat, hat dazu geführt, dass er die Umgebung kaum noch abscannt. Wir nutzen das Markerwort „Click“, weil mir ein Knackfrosch mit zwei Hunden zu umständlich ist. Als Belohnung gibt es Leckerlis und bei sehr kniffeligen Begegnungen laufen wir danach weg und machen etwas Party. Auch ein Dummy oder ein Spielzeug würden bei ihm sicher funktionieren.

Für Zora, unsere ängstliche Hündin aus Griechenland habe ich einige Gefahren benannt, z. B. „Auto“. Sie braucht diese nicht ewig lange ansehen. Es reicht mir, wenn sie diese kurz ansieht, damit ich weiß, dass sie sie zur Kenntnis genommen hat und kurz erträgt, dass sie vorbei fahren. Manchmal aber hält sie mutig den Blick. Danach kommt „Super“ und wir springen ein bisschen fröhlich rum oder rennen ein bisschen.

Nicht immer läuft es bei uns rund. Mal habe ich einen schlechten Tag, mal einer der Hunde. Meistens liegt es aber an mir. Ich kann mir da noch so viel Mühe geben, ruhig zu sein, bewusst zu atmen. Nur der kleinste Stress in mir macht sich bei den Hunden bemerkbar.

Habt ihr „Click für Blick“ auch schon ausprobiert?

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