3 Mythen über Tierheimhunde

Es gibt Menschen, die NIEMALS einen Hund aus dem Tierheim nehmen würden. Doch warum ist das so?

Mythos 1: Tierheimhunde sind alle verhaltensgestört

Man geht durch die Gänge und wird alles andere als freundlich begrüßt. Hunde bellen, einige fletschen die Zähne und springen drohend an der Zwingertür hoch. Das sollen Familienhunde sein?

Viele von ihnen sind groß oder schwarz oder alt oder alles zusammen. Und bei den wenigen Hunden, die noch halbwegs hübsch aussehen steht „nicht zu Kindern“ auf dem Steckbrief.

Wer weiß, was sie alles erlebt haben. Spätestens von dem Aufenthalt im Tierheim müssen sie doch einen Knacks weg haben, oder?

Und überhaupt – wer weiß, ob sie es nicht irgendwann nachts über’n Kopf kriegen und auf uns losgehen…

Es gibt Menschen, die das tatsächlich denken. In ihren Vorstellungen ist kein Platz für die Tatsache, dass Hunde ganz unschuldig ihr Zuhause verlieren können – wegen Allergie, Trennung, Umzug, beruflicher Veränderung.

Und noch weniger Platz hat darin die Gewissheit, dass Hunde so unglaublich anpassungsfähig sind, dass sie im Hier und Jetzt leben und dass sie ihre Vergangenheit zu großen Teilen hinter sich lassen können, um nach einem Besitzerwechsel von vorn anzufangen. Sie brauchen ihren Welpen vom Züchter, ein sauberes Papier ohne nennenswerte Vergangenheit.

Mythos 2: Tierheimhunde sind teuer

Wer einem Tierheimhund ein Zuhause schenken möchte, muss in der Regel eine Schutzgebühr bezahlen. Zwischen 150 und 350 Euro werden von den meisten Tierheimen verlangt.

Schon dreist, was? Da öffnet man sein Herz, will so einer armen Seele ein Zuhause geben und wird dann auch noch zur Kasse gebeten.

Ist das viel? Klar. Ist das teuer? Eher nicht.

Tierheimhunde sind mehrfach geimpft, gegen Parasiten behandelt und gechippt. Viele sind außerdem kastriert, wurden vielleicht sogar auf HD geröntgt oder noch anderweitig tierärztlich versorgt.

Wer das mal nachrechnet, wird merken, dass Tierheimhunde meist sogar Schnäppchen sind.

Ihr kauft keinen Hund. Ihr schenkt einem ein Zuhause, macht dem Tierheim Platz für den nächsten Notfall. Das Geld, das ihr für euren Hund bezahlt, hilft, auch diesen nächsten Notfall versorgen zu können.

Mythos 3: Tierheime wollen keine Hunde vermitteln

  • „Ihr solltet doch froh sein, wenn ihr eure Hunde loswerdet.“

    Diesen Satz hat wahrscheinlich schon jeder Tierheimmitarbeiter mehrfach gehört.

    Ja, jedes Tierheim ist glücklich über jedes Tier, das das Tierheim verlässt, um in ein schönes Zuhause zu ziehen.

    Aber loswerden? Nein, sicher nicht um jeden Preis. Ein Tier weniger und dafür das Gefühl, dass es dem Tier dort vielleicht nicht so gut geht, wie man es sich für ihn gewünscht hat? Das will wohl keiner.

  • Doch manchmal trifft es auch die netten Menschen, denn auch in Tierheimen arbeiten nur Menschen. Menschen, sie sich jeden Interessenten genau ansehen, beurteilen und – ja – manchmal auch unbewusst verurteilen.

    „Ist es der Geruch von Mundwasser oder doch eine Alkoholfahne?“

    „Lässt die aber ihre Kinder schmuddelig herumlaufen. Ob die das wohl hinkriegt, dem Hund regelmäßig seine lebenswichtigen Medikamente zu geben?“

    „Gott, sind die unsportlich. Haben für die 20m vom Parkplatz hierher schon fast ’ne halbe Stunde gebraucht. Wie wollen die denn mit dem Hund spazieren gehen?“

    Und schon macht der Tierpfleger im Beratungsgespräch den Hund bewusst oder unbewusst etwas schlechter und für den Menschen etwas unpassender als er es vielleicht in Wirklichkeit ist.

  • Und manchmal trifft es sogar die Menschen, die nicht nur nett sind, sondern einem Tierheimhund ein ganz tolles Zuhause bieten könnten. Aber eben genau DIESEM nicht.

    Weil es einfach nicht passt.

    Weil sie Kinder haben und dieser Hund keine Kinder mag.

    Weil sie im 4.Stock wohnen und der ausgewählte Hund wegen seiner HD ebenerdig leben muss.

    Weil sie Katzen haben, die der Hund töten würde.

    Und zwischen dem Beraten der Besucher, dem Reinigen der Zwinger, dem Füttern der Tiere, wird ein Satz vergessen. Dieser eine Satz, der so wichtig wäre!

    „Wir würden uns freuen, wenn ihr einem unserer Hunde ein neues Zuhause geben würdet. Es ist nur so, dass eben GENAU DIESER Hund nicht zu euch passt.“

    Vergessen oder keine Zeit. Und es verlassen Menschen das Tierheim mit dem Gefühl, dass „die Leute da“ keine Tiere vermitteln wollen. Oder sie nehmen es einfach persönlich, dass man ihnen den ausgewählten Hund nicht zutraut.

    Aber das Leid da draußen ist so groß. Es gibt kein Tierheim, das keine Tiere vermitteln will. Und es gibt keinen Grund, deshalb keinen Hund mehr aus dem Tierheim haben zu wollen.

3 Mythen über Tierheimhunde
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2 Kommentare

  1. Schöner Artikel! 😊 die 3 Mythen treffen den Nagel auf den Kopf!
    Mir geht es allerdings auch oft so, dass ich denke, die Beschreibung zu dem vermittelnden Tier ist unpassend, bzw „blumig“ formuliert.
    Gar nicht so einfach den passenden Menschen für das Vermittlungsfell zu finden…

  2. Leider werden im tierheim phantasierassen angegeben. Unser Hund soll ein labradormischling sein.
    Wir haben dna Test durchführen lassen nach de m der Hund wie verrückt Jagd und auch ausgeprägten beschuetzerinstinkt auslebt. Ergebnis: Mischung aus englisch Springer Spaniel schaeferhund und Teckel
    Frag mich jetzt inwieweit altersangabe stimmt
    Angeblich 5,5 Jahre jetzt. Total graue Schnauze und graue stellen am koerper
    ..

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