Hund aus Griechenland – Ankunft und Probleme mit Ersthund

Zora, unser Hund aus Griechenland, ist bei uns angekommen. Doch mit diesen Problemen hatten wir nicht gerechnet.

Hund Griechenland Adoption

Falls ihr den ersten Teil über unserer Adoption eines Tierschutzhunds aus dem Ausland noch nicht gelesen habt, könnt ihr es hier tun.

Zuhause angekommen trugen wir Zora in der stinkenden Transportbox in Haus. Eines sollte man mit Tierschutzhunden nicht gleich machen: Sie in die Badewanne stecken. Die Hunde sind völlig durcheinander, zum Teil traumatisiert, kennen euch nicht. Da sollte man es langsam angehen lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund beim Baden Panik bekommt und euch vielleicht beißt, ist recht hoch.

Aber Zora versuchte die ganze Zeit vergeblich, ihren Exkrementen in der Box auszuweichen. Man sah, wie unwohl sie sich fühlte. Und zugegeben, auch ich hatte wenig Lust, dass das Haus später genauso stank. Also hoben wir vorsichtig den oberen Teil der Transportkiste hoch, trugen Zora behutsam aus ihrer Box in die Badewanne und duschten sie gründlich ab. Es ging alles gut.

Danach trugen wir sie in Handtücher gewickelt ins Wohnzimmer auf unser Sofa. Warum auf das Sofa? Keine Ahnung. Es war wahrscheinlich mein Mutterherz. Dort lag sie nun. Sie sah gar nicht mehr so unglücklich aus. Im Gegenteil.

Muffin, unseren Ersthund hatte wir zunächst weggesperrt. Ich hatte die Idee, dass Zora sich erstmal alles angucken und zur Ruhe kommen sollte, bevor sie sich kennen lernten. Im Nachhinein war das eher eine blöde Idee.

Da Zora bereits um die 24 Stunden in ihrer Box gesessen hatte, wollte ich sie irgendwie dazu bringen, in den Garten zu gehen. Schließlich musste sie sich doch irgendwann mal richtig lösen. Ihr neues Sicherheitsgeschirr hatte ich ihr bereits nach dem Baden angezogen. Aber mit Leine, die sie noch gar nicht kannte, bewegte sie sich kein Stück, zumindest nicht vorwärts. Hier ist es dann wichtig, eine passende Hundeleine für die Erziehung und Eingewöhnung zu kaufen.

Also trugen wir sie raus in den Garten und setzten sie dort auf den Boden. Sie suchte sich gleich eine Ecke und beschloss, diese nicht mehr zu verlassen. Da erreichten wir dann auch ihre und unsere Grenze. Um sie wieder herein zu tragen, musste ich nun auf sie zu, meine Hand zwischen Hund und Zaun schieben, den Hund wegdrücken und mit dem Arm irgendwie unter sie kommen. Das war zu viel des Guten fand sie zu Recht und zeigte leichte Abwehrreaktionen.

Also blieb sie dort sitzen. Mir war klar, dass wir schon großes Glück hatten, dass Zora sich das Baden und Herumgetrage bisher so gut gefallen lassen hat. Aber da gab es schließlich noch Muffin. Ich ließ ihn ebenfalls raus in den Garten. Ich hatte die Vorstellung, dass Zora sich freuen würde und die typischen Bilder im Kopf: Ängstlicher Hund erblickt anderen Hund, wedelt vorsichtig mit dem Schwanz vor Freude, robbt näher, steht dann langsam auf, begrüßt ihn sanft und ist glücklich, endlich einen Hundekumpel zu haben. Bei uns sah es so aus: Muffin sieht sie und läuft freudig auf sie zu, um sie zu begrüßen. Zora starrt ihn an, fängt an zu knurren, schießt hoch und will auf ihn los. Muffin macht auf dem Absatz kehrt und läuft wieder ins Haus. Aber immerhin war sie jetzt aus ihrer Ecke raus und wir bekamen sie wieder ins Haus.

Dort folgte das nächste Problem. Zora lag auf dem Sofa und fixierte Muffin, sobald er den Raum betrat. Tat er es doch, folgte ein dunkles Knurren und sie schoss zähnefletschend auf ihn zu. Na gut, dachte ich, dann eben kein Sofa. Und verbarrikadierte alles mit unseren Stühlen. Aber es löste nicht das Problem. Zora fing an, Muffin drohend zu verfolgen, durch das ganze Haus. Muffin war ratlos. Ich auch. Zwei Stunden zuvor war sie noch der Meinung, sie könne nicht alleine laufen. Und jetzt? Ich habe mal gelernt, dass man bei neu ankommenden Herdenschutzhunden im Tierheim etwas achtsam sein muss. Anfangs sind sie unsicher und könnten deshalb Abwehrverhalten zeigen. Nach ein paar Tagen im eigenen Zwinger fangen sie aber schon an, es als ihr Territorium zu sehen. Ein paar Tage. Wir waren gerade bei zwei Stunden. Konnte es das wirklich schon sein? Aber Zoras Körpersprache war eindeutig offensiv aggressiv. Und Muffin akzeptierte das. Das sprach auch dafür, dass es Ernst war, denn er hinterfragt sowas für gewöhnlich und auch Schwächen erkennt er normalerweise sofort.

Auch wenn man immer mal hört und liest, dass Hunde das unter sich ausmachen sollten und wir Halter dann eben akzeptieren müssen, dass der Ersthund nicht mehr der Chef ist, kam es hier so gar nicht in Frage. Sie wäre kein netter Chef, sondern ein Tyrann. Und Zora war mit 7 Monaten noch ein Baby, insbesondere mit dem Blick darauf, dass Herdenschutzhunde Spätentwickler sind.

Also ging ich dazwischen. Sobald das Hundebaby mit Größenwahn versuchte, Muffin einzuschränken, schob ich mich dazwischen und schickte sie weg, indem ich auf sie zuging. Doch trotz ihrer Angst vor Menschen war sie hartnäckig und so manches Mal rechnete ich schon damit, dass sie mir in den Fuß beißen würde. Ich wurde lauter, sagte deutlich und streng Nein, blickte ihr dabei drohend in die Augen und zeigte mit dem Finger am gestreckten Arm auf sie, während ich sie körpersprachlich von Muffin abschirmte. Das klappte einigermaßen.

Dazu kam, dass ich beide Hunde zusammen ohne Leine in den Garten laufen ließ, denn an der Leine bewegte sich Zora nach wie vor nicht von der Stelle. Aber ihrem Opfer nachlaufen konnte sie gut. Im Garten war Muffin von Anfang an der Mutigere. Hier drehte er auf, bellte Fremde an und machte klar, dass dies sein Reich war. Und man merkte, wie Zora ihn mit großen Augen respektvoll beobachtete.

Zusammenfuehrung neuer Hund

Muffin merkte natürlich auch, dass ich ihn unterstützte und gewann schnell auch drin seinen Mut zurück. Er verhielt sich wieder normal, ließ sich nicht mehr einschüchtern und brummte lässig und ohne den Kopf zu heben vor sich hin, wenn Zora ihm zu nah kam. So langsam bröckelte Zoras Übermut. Das alles hat sie zum Glück schnell davon überzeugt, dass Muffin der bessere Chef war und sie war von da an ihm gegenüber respektvoll und bemüht, ihm zu gefallen. Nach zwei bis drei Tagen war nichts mehr von unseren Anfangsproblemen zu merken.

Warum war unser Start so schwer? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es wirklich so ein Herdenschutz-Ding. Später haben wir dann erfahren, dass Zora in den ersten sieben Monaten ihres Lebens (bis sie nach Deutschland kam) nur mit ihren Brüdern zusammen gelebt hatte. Unter ihnen hatte sie die Hosen an, stolzierte wie eine Königin durch das Gehege und alle machten was sie wollten. Fremde Hunde kannte sie nur von Weitem. Möglicherweise wäre es auch anders gelaufen, wenn sie Muffin gleich kennen gelernt hätte und ich sie nicht auf das Sofa gesetzt hätte. Und auch der Stress der Reise spielte sicher mit hinein. Wenn ich mir aber im Nachhinein die Fotos von ihr ansehe, blicke ich ganz anders auf sie. Zora hat das Wesen eines Herdenschützers. Schon als Junghund blickt sie sehr selbstbewusst in die Welt. Ihre Brüder über Monate kontrollieren zu können, hat sie darin nur bestätigt. Was man auf den Fotos nicht sieht, ist, dass sie ein Angsthund ist. Ihre Furcht ist viel stärker als es die Bilder vermuten lassen. Ihr Misstrauen nicht nur gegenüber Menschen, sondern allem Neuem ist bis heute das, was sie ausmacht, auch wenn die Selbstsicherheit der Rassen, die in ihr stecken immer mal wieder kurz durchblitzt.

Muffin und Zora verstehen sich sehr gut. Es gibt keinerlei Spannungen oder Ähnliches. Unsere Katze Lotti war für Zora von Anfang an uninteressant, bis sich daraus eine ganz große Liebe entwickelte. Es werden weitere Teile folgen, denn das sollte nicht unser einziges Problem bleiben und über die schönen Dinge sollt ihr natürlich auch erfahren.

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