Vollzeit arbeiten mit Hund?

Lässt sich Hundehaltung mit einer Berufstätigkeit in Vollzeit vereinbaren? Warum ich es kritisch sehe und was ich machen würde, wenn ich Vollzeit außer Haus arbeiten würde.

Vollzeit arbeiten mit Hund

Hundehaltung ist immer ein bisschen Kompromiss. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Doch bei aller Anpassungsfähigkeit des Hundes dürfen wir die Grundbedürfnisse eines Rudeltieres nicht vernachlässigen. Dazu gehören neben Essen, Trinken, Pipi und Häufchen-machen auch die Nähe zu seiner Bezugsperson bzw. seiner Familie.

Von einem normalen 8-Stunden-Arbeitstag einer Vollzeittätigkeit ausgegangen kommen zu den 8 Stunden noch mindestens 45 Min. Pause hinzu + Hin- und Rückfahrt. Dazu Einkauf + Arztbesuche + Autowerkstatt + Schnack mit der Nachbarin + Geburtstagseinladung + evtl. Hobbys, wenn der Hund nicht das einzige ist + und, und, und – die Liste ließe sich ewig fortführen. Essen inkl. Zubereitung der Mahlzeiten + Körperpflege + Haushalt + Schlafen müssen auch noch erledigt werden, aber da kann der Hund bestenfalls dabei sein.

Einem Hund trotz Vollzeitarbeit gerecht zu werden ist daher alles andere als leicht. Auch dann nicht, wenn der Hund zu Hause die ganze Zeit schläft.

„Meinem Hund macht es nichts aus. Er schläft die ganze Zeit“

ist leider kein Argument. Schlafen ist doch kein Zeichen von Wohlbefinden und Glück. Schlafen ist eine Tätigkeit, die allenfalls auf einen entspannten Zustand hindeutet. Aber auch Entspannung ist nicht automatisch mit dem Gefühl von Zufriedenheit und Glücklichsein gleich zu setzen. Dass es einem Hund überhaupt nichts ausmacht und er glücklich darüber ist, 10 Stunden auf seinen Halter zu warten, ist lediglich hineininterpretiert. Wirklich wissen tut es niemand und ein bisschen unwahrscheinlich ist es auch.

Doch wer darf denn nun einen Hund halten? Nur Arbeitslose, Rentner, nicht Arbeitsfähige, Eltern in Elternzeit? Weil sie Zeit hätten? Das kann ja nun auch nicht richtig sein. Der Otto-Normal-Hundehalter muss in der Regel annähernd Vollzeit arbeiten, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Er ist mit Arbeitszeit, Pausen und Wegzeit etwa 9,5 Stunden außer Haus. Das ist schon eine ganze Menge, kann aber je nach Hund und Engagement des Halters sicher machbar sein. Aber…

…ist es fair gegenüber einem Welpen?

…ist es fair gegenüber einem Junghund?

…ist es fair gegenüber einem Hund mit Trennungsangst?

…ist es fair gegenüber einem Hund mit akutem Durchfall?

…ist es fair gegenüber einem Hund, der aufgrund bestimmter Medikamente alle paar Stunden das Bedürfnis hat, sich zu lösen?

…ist es fair gegenüber einem alten Hund mit beginnender Verwirrtheit und nachlassendem Schließmuskel?

Fakt ist, Hundehaltung mit einem Vollzeitjob kann durchaus eine Herausforderung sein und erfordert Engagament seitens des Hundehalters, damit der Hund nicht zu kurz kommt oder gar leidet. Und es erfordert Hilfe von außen, denn in einem 15-jährigen Hundeleben gibt es Phasen, in denen es nicht möglich ist, den Hund Vollzeit allein zu lassen.

Folgende Möglichkeiten gibt es und sicher auch noch mehr. Nicht alle lösen jedes Problem. Einige reichen nicht allein und nicht alle sind für jeden Hund geeignet.

  • Zweithund (kann Einsamkeit lindern, aber auch mehr Probleme bringen)
  • keine Hobbys, außer dem Hund
  • Garten mit freiem Zugang, z.B. über Hundeklappe
  • Hundetagesstätte oder Dogsitter
  • Gassigehservice, nette Nachbarn oder Familienmitglieder, die den Hund raus lassen bzw. mit ihm spazieren gehen und sich mit ihm beschäftigen
  • Partner mit anderem Arbeitszeitmodell
  • Familienmitglieder (große Kinder), die früher zu Hause sind
  • Homeoffice
  • Bürohund

Zum Weiterlesen:

*Bürohunde – Vorbereitung, Absprachen und Training*

*Entspannt allein – Unruhe, Trennungsangst und Stress vermeiden*

*Trennungsangst – Wenn der Hund nicht alleine bleiben kann*

Vollzeit arbeiten mit Hund?
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Ein Kommentar

  1. Liebe Manuela,

    ein sehr wichtiges Thema, über das du da schreibst und das sehr facettenreich ist. Ich hatte bis zum Ende des letzten Jahres auch zwei Hunde. Meine Hündin ist leider verstorben 🙁 Dazu möchte ich sagen, dass ich einen Zweithund eher weniger als „Lösung“ für die lange Abwesenheit des Halters sehe. Bei meinen Hunden wäre es eher so, dass ich doppelte Langeweile hätte „bearbeiten“ müssen. Dass ich überhaupt einen oder zwei Hunde halte, verdanke ich mehr oder weniger meiner beruflichen Selbständigkeit, die ich aus dem heimischen Büro erledigen kann. Nur relativ selten muss ich mal zu Terminen außerhalb. Das hat den wahnsinnigen Vorteil, dass ich mit meinen Hunden auch mal zwischendurch interagieren oder Gassigehen kann…oder mich im letzten Jahr um die Pflege meiner alten Hündin kümmern konnte, die unter anderem von Inkontinenz und Durchfällen geplagt war. Toll finde ich hingegen die Lösung, wenn man den Hund mit ins Büro nehmen kann. Das erfordert am Anfang etwas Übung (für Hund und Halter) ist aber aus meiner Sicht für beide eine gute Lösung.
    Andererseits kenne ich aber auch den Fall, dass sich jemand ohne Job einen Hund zugelegt hat und dieser deutlich weniger beschäftigt und bewegt wird, als Hunde, deren Halter Vollzeit berufstätig sind..

    Liebe Grüße
    Jasmina

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