So wird euer Hund straßensicher – Anleitung zum Bordsteintraining

Der Straßenverkehr kann für den Hund schnell zur Todesfalle werden. Keine Frage, ein Hund, der an der Straße wartet, lebt sicherer. Wie man es seinem Hund beibringt, darüber sind sich viele nicht einig. Dabei ist es in diesem Fall sicherer, seinem Hund KEIN Kommando für das Warten beizubringen.

Bordsteintraining mit Hund

Das Bordsteintraining mit Kommando und seine Nachteile

Kommandos spielen in der Hundeerziehung eine große Rolle. Deshalb liegt es für viele von euch vielleicht nahe, das Warten an der Straße ebenfalls mit einem Kommando zu belegen.

Hierfür wird zunächst an der Leine geübt und ihr bleibt mit eurem Hund an jeder Straße stehen. Sobald er von sich aus wartet, führt ihr das Kommando ein, z.B. „Warte“. Dieses übt ihr nun unter steigender Ablenkung und an verschiedenen Orten.

Es dauert in der Regel nicht lange und einige Hunde warten schon selbstständig an der Straße, auch wenn euer Kommando zu spät kommt. Meistens aber nur an Straßen, die sie bereits kennen, weil ihr sie auf euren Spaziergängen häufiger überquert.

Das Kommando führt dazu, dass ein Hund nicht selbstständig denkt, sondern sich auf das Kommando verlässt. Diese Methode, seinen Hund straßensicher zu machen, ist deshalb nicht 100% zuverlässig und ihr müsst sehr aufmerksam sein, damit euer Hund nicht doch über die Straße rennt. Gerade Ablenkungen, wie Artgenossen oder eine Katze auf der anderen Straßenseite können zur Gefahr werden.

Bordsteintraining ohne Kommando

Ein weiterer Trainingsansatz stammt aus dem Assistenzhundetraining. Ein Blindenführhund muss verlässlich Straßen, Ampeln und Bordsteine anzeigen, indem er stehen bleibt. Tut er es nicht, bringt er seine geführte Person in große Gefahr. Absolute Verlässlichkeit (sofern es diese bei einem Lebewesen überhaupt geben kann) ist daher ein Muss.

Hier wird ohne Kommando gearbeitet. Ihr benötigt aber ein Brustgeschirr und natürlich eine Leine. Übt anfangs an ruhigen und kaum befahrenen Straßen. Auch etwas Geduld ist nötig, vor allem dann, wenn ihr einen Hund habt, der nicht von eurer Seite weicht und nur auf das nächste Kommando wartet. Für sie ist es am Anfang etwas verwirrend.

Ziel des Trainings ist, dass euer Hund auch wartet, wenn ihr selbst über die Straße geht. Ab Beginn des Trainings ist es eurem Hund verboten, ohne ein Freigabewort über Straßen zu gehen.

Hierfür geht ihr mit eurem Hund an der Leine direkt auf die Straße zu. Sobald er die erste Pfote auf die Straße setzt, geht ihr mit ihm rückwärts – soweit bis er wieder mit allen Pfoten auf dem Bordstein steht. Deshalb das Brustgeschirr, denn mit Halsband wäre es für den Hund unangenehm.

Wichtig ist, dass ihr wirklich rückwärts geht, denn ein Wenden würde euren Hund verwirren und führt dazu, dass noch mehr Pfoten die Straße berühren. Außerdem solltet ihr nicht mit eurem Hund reden.

Das wiederholt ihr nun immer wieder. Wenn euer Hund zögert und von sich aus langsamer wird oder stehenbleibt, sobald ihr euch der Straße nähert, lobt ihr ihn.

Das Freigabe-Wort müsst ihr sofort mit einführen, denn das Bordsteintraining ist keine 5-Minuten-Trainingseinheit, sondern eine „Lebensphilosophie“. Ein Grundsatz, den ihr in euer Hund-Halter-Leben lasst und der nicht gebrochen wird. Der Hund muss immer stehen bleiben. Es ist IMMER verboten, einfach über die Straße zu rennen. Nicht nur dann, wenn ihr gerade Lust habt, es zu trainieren. Das heißt, auch ihr als Halter müsst Disziplin zeigen. Es darf keine Ausnahmen mehr geben. Nur so wird es verlässlich.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass euer Hund gezwungen ist, selbstständig Straßen zu erkennen. Hierfür ist sehr viel mehr Konzentration nötig, als wenn er nur mit einem halben Ohr auf euer Kommando horcht. Tut eurem Hund deshalb einen Gefallen und berücksichtigt das auf euren ersten Spaziergängen. Wählt am Anfang Wege, die ihr gut kennt und auf denen ihr nicht alle 10m eine Straße überqueren müsst.

Erst wenn es bei euch zu Hause klappt, erhöht auch die Ablenkung und lernt gemeinsam viele neue Straßen kennen. Dieses Generalisieren ist notwendig, denn Straße ist nicht gleich Straße. Hoher Bordstein, abgesenkter Bordstein, gar kein Bordstein – all das muss euer Hund kennenlernen. Um das zu verinnerlichen braucht es aber kein jahrelanges Üben. Dadurch, dass die meisten Hunde auf ihren Spaziergängen viele Straßen überqueren müssen und sie außerdem nicht nur auf optische Merkmale achten, sondern auch das Geruchsfeld eine Rolle spielt, geht es schneller als manch einer denkt.

So wird euer Hund straßensicher – Anleitung zum Bordsteintraining
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9 Kommentare

  1. Ein nützlicher Tipp für den Alltag; vielen Dank für diesen tollen Bericht 🙂

  2. Das ist ja ein toller Plan, vielen lieben Dank! Ich hab schon gemerkt, dass Absitzen lassen nicht das Richtige zu sein scheint, weil ich das Kommando manchmal zu spät gebe – aber diese Idee ist wirklich fabelhaft! Dankeschön 🙂

  3. Mein Hund ist leider super ängstlich sobald Autos in der Nähe sind. Da kommen mir deine Tipps genau recht.

  4. Danke für die tollen Tipps! Ich bin voll froh, wenn ich mir ein paar Tipps abschauen kann. Das hilft mir und meinem kleinen Schatz total.

  5. Was war das für eine Arbeit, bis wir unseren geliebten Vierbeiner endlich so weit hatten…

    Aber ist ein wichtiger Punkt, den man auf keinen Fall außer Acht lassen sollte. Sonst ist letztlich jeder Spaziergang in der Stadt eine gewisse Gefahr.

  6. Ein schöner Tipp. In der Stadt oder an befahrenen Straßen lassen wir dennoch unsere Hunde sicherheitshalber nicht ohne Leine laufen. Wir werden das dennoch testen und ins Training einbauen. Viele Grüße Victor

  7. Deine Seite ist wirklich super. Wir überlegen auch uns einen Hund (in der Stadt) zu kaufen und wollen vorab soviel wie möglich lernen. Da ist deine Seite perfekt für.

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