Maremmano Abruzzese – 7 interessante Fakten über die Maremmanen Hirtenhunde

Der Maremmano Abruzzese – eine alte Hunderasse und zugleich einziger Herdenschutzhund Italiens – wird weltweit gezüchtet und eingesetzt. Auch über den Auslandstierschutz kommen Maremmanos und Maremmano-Mischlinge zu uns und stellen ihre neuen Halter vor Herausforderungen.

Maremmano Abruzzese – interessante Fakten über die Maremmanen Hirtenhunde, Maremmaner Hirtenhund

1. Maremmanos sind keine reinen Herdenschützer

Viele dieser Hunde lebten und leben noch heute bei Schafhirten, wandern mit diesen umher und beschützen die Herden. Fremde werden zunächst laut und deutlich gewarnt. Wer sich den Hunden und der Herde dennoch weiter nähert, wird ruhig, aber mit großer Ernsthaftigkeit angegriffen.

Um diese Hunde artgerecht zu halten, benötigt es keine Schafe. Die Maremmanos waren nicht nur Beschützer der Schafe, sondern auch bei Hof- und Grundbesitzern sehr beliebt. Dort hatten sie keine Aufgaben am Vieh, sondern verteidigten das Territorium gegen Eindringlinge.

2. Kein Maremmano ohne Garten

Maremmane Hirtenhunde sind nicht für die beengte Haltung in Wohnungen geeignet. Sie lieben es, draußen herumzuliegen, durchstreifen nach Einbruch der Dunkelheit gern ihr Revier und brauchen ihren Freiraum. Fehlt dieser, reagieren sie mit übersteigertem Territorialverhalten und es kann bei diesen sonst eher entspannten Herdenschützern zu Aggressionsproblemen kommen.

3. Rückzug schon im Welpenalter

Obwohl diese Herdenschutzhunde ihre Arbeit zuverlässig ausführen, suchen sie nicht die Auseinandersetzung. Sie sind nicht auf Kampf aus, sondern greifen erst an, wenn Warnungen unbeachtet bleiben. Dann aber lautlos und ernsthaft.

Diesen für diese Hunde typischen Rückzug verlernen Maremmanos, wenn sie im Junghundealter immer wieder erfahren müssen, dass sie Unangenehmem nicht ausweichen können und zum Beispiel wahllos von fremden Menschen gestreichet werden oder von Artgenossen überfallen werden. Dann kann man sich sicher sein, dass ein solcher Hund später den Angriff statt den Rückzug wählt.

Natürlich brauchen auch ausgewachsene Hunde immer die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können.

4. Der unterschätzte Sozialkontakt

Auch wenn sich Maremmanen Hirtenhunde gern ganztägig draußen aufhalten und sich scheinbar selbst genug sind, ersetzen Schafe und ein großes Grundstück keine Sozialkontakte. Diese Hunde suchen den Kontakt zu ihren Bezugspersonen und genießen Nähe und Zuwendung. In harmonischen Hundegruppen betreiben sie gegenseitige Körperpflege wie dem Auslecken der Ohren.

5. Familienhunde vs. Arbeitshunde

Auch beim Maremmano gibt es zwei Zuchtziele. Die Hunde aus Arbeitslinien und sogenannte Schaulinien bzw. Linien, die das Ziel „Familienhund“ haben. Gerade Familien mit Kindern und Rasseanfängern sei von Arbeitslinien abzuraten. Der Tierschutz-Maremmano sollte für sie noch jünger sein, damit er von Anfang an lernt, dass Menschen ein- und ausgehen und auch fremder Besuch willkommen ist. Denn auch, wenn in diesen Hunden ein Beschützerherz schlägt, können sie durchaus lernen, fremde Besucher zu tolerieren. Soll es ein ausgewachsener Hirtenhund sein, ist es sinnvoll, den Kontakt zu anderen Maremmo-Haltern zu suchen, um sich mit diesen auszutauschen und von deren Erfahrung zu profitieren.

6. Schwarze Schleimhäute

Bei einem echten Maremmano sind alle Schleimhäute schwarz – die Lefzen, die Bindehaut der Augen – alle. Bis auf die Nase, denn fast alle Hunde der Abbruzzen haben eine sogenannte Wechselnase, die je nach Sonneneinstrahlung schwarz bis leicht rosa sein kann.

7. Kein Rassevertreter gleicht dem anderen

Es gibt die Hunde der Hirten und die Hunde der Gutsbesitzer, die Hunde im Gebirge und die der Tiefebene, inzwischen auch die Arbeitslinien und die Schaulinien. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts waren es zwei verschiedene Rassen bzw. Schläge – die Hirtenhunde der Maremmen und die Hirtenhunde der Abruzzen – bis sie schließlich gemeinsam zum „Cane da pastore Maremmano abruzzese“ wurden.

Deshalb gibt es Maremmanos, die ganz unkomplizierte Begleiter sind, genauso wie die, die eine Schärfe mitbringen, die sie für „Ottonormalhundehalter“ kaum händelbar machen. Umso wichtiger ist es, die Herkunft der Hunde zu prüfen und sich bei Bedarf rechtzeitig Hilfe zu holen.

Schon gelesen?

Hundehölle Dänemark – Kein Land für Tierfreunde

Dänemark, das Land für Hunde. Weite Strände, nette Leute, ein Paradies für Menschen mit ihren …

3 Kommentare

  1. Sehr gut gesprochen – hier hat ein Kenner der Rasse seine Erfahrungen mitgeteilt. Für Anfänger ist Punkt 3 wirklich zu beachten, auch wenn das vielleicht als nicht so wichtig empfunden wird. Man muss aufpassen, dass es beim Welpenspielen, Junghundespielen, mit Hundekumpels keine negativen Erfahrungen gibt. Die Chemie sollte stimmen und man sollte darauf achten, dass der Maremmano nicht dauernd von Rüpeln untergebuttert wird und schlechte Erfahrungen macht. Das lässt er sich lange gefallen, bis er sich einmal wehrt und höchstwahrscheinlich als Gewinner hervorgeht. Diese Erfahrung hat er dann gelernt und kann das Verhalten auch schon einmal vorsorglich einsetzen und führt (insbes. bei unsicheren Hunden) dazu, dass man ihn nicht mehr mit anderen Hunden zusammen lassen kann.

    • Meine maremmano war schon ca.3 1/2 Jahre als ich sie aus dem Tierschutz übernahm .und muss sagen das sie ein toller Familien Hund Herdenschützer und Gründstückswächter wurde nach jetzt 3 1/2 Jahren .am Anfang im Freilauf mit anderen Hunden war es eine Katastrophe 🙈aber dann habe ich mich mal in die Materie rein gearbeitet und die Doku wie der Wolf zum Hund kam war der eigentliche Schlüssel zum Erfolg da ich erst wirklich verstanden warum diese Hunde so sind wie sie sind 👌

  2. Dem bisher gesagten kann ich voll zustimmen, ich habe einen Maremmano-Mischling, der , von Sardinien kommend bei einer Familie mit drei kleinen kindern landete und dort „kaputt-gespielt/geliebt“ wurde mit Zwei Jahren auffällig und zurück gegeben wurde. ich hatte bis dato noch keine Erfahrung mit diesen Hunden, stellte sehr schnell fest, dass dieser Hund anders war, als alles, was ich kannte, also ließ ich den Hund kommen, bedrängte ihn nicht und hielt alle und alles von ihm fern, wovon er sich bedrängt fühlen könnte. Wir waren in einer guten Spielschule für alle Hundrassen, die Trainerin hatte jedes Tier im Blick und schon bald erkannte mein Hund, dass er dort Spaß haben könnte, sich aber auch zurüchziehen durfte. Offensichtlich bin ich das „letzte Schaf“, was es zu beschützen gilt (und natürlich sein Grundstück ) läuft er einmal weit vor, dreht er sich alle paar Meter um, um zu sehen ob noch alles in Ordnung ist. Ebenso habe ich ihn im Blick. Mit anderen Hunden ist er sozial, Rüpeln würde er gerne die Meinung sagen, aber da sage ganz ruhig, dass wir das nicht brauchen und er geht unangeleint, mich ansehend vorbei. Immer wieder suchen wir Hundefreiläufe auf, damit er selbst entscheiden kann, ob er Kontakt will, oder nicht. Er mag keine Ballspiele, Intelligenzspiele dürfen sein, wenn sie für ihn Sinn machen , aber Versteckspiele mit kleinen Fleischstücken im Beutel, davon gerne jeden Tag mehrere . Herr Schinzel vom Tierheim Köln Dellbrück hat einmal gesagt, eigentlich müßte man dies Hunde siezen………. Ich finde, dass er Recht hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.