Fremdelphasen – wenn der Hund scheinbar rumspinnt

Fremdelphasen gibt es nicht nur bei unseren Kindern, sondern auch beim Hund. Von einem auf den anderen Tag hat der Hund Angst vor Dingen, die er eigentlich kennt.
Oder grummelt plötzlich den netten Nachbarn an.
Oder will einen bestimmten Spazierweg nicht mehr gehen.
Entspannt bleiben. Es geht vorüber.
Doch ihr könnt eurem Hund etwas helfen.

Wann der Hund fremdelt

 

Drei Fremdelphasen gibt es sicher. Über die Vierte wird noch immer diskutiert.

Die 1. Fremdelphase tritt im Alter von 8 Wochen auf.

Ungefähr eine Woche lang sind die Welpen Neuem gegenüber eher unsicher bis ängstlich und suchen vermehrt den Schutz bei der Mutter.

Kein guter Zeitpunkt also, um die Welpen von der Mutter zu trennen und an neue Hundehalter abzugeben.

In die 2. Fremdelphase kommen Hunde mit etwa 4,5 Monaten.
Bei Spätentwicklern etwas später.

Auch hier reagieren sie häufig mit Unsicherheit und können plötzlich große Angst vor Dingen haben, die für sie vorher kein Problem darstellten. Das können Gegenstände sein, aber auch Menschen und Artgenossen.

Vor allem im Umgang mit Artgenossen kann man häufig die Veränderung gut beobachten. Viele Hunde stellen auf einmal die Nackenhaare auf, wenn sie aufdringlichen oder fremden Hunden begegnen. Oder sie legen sich hin, wenn ein Artgenosse auf sie zuläuft.

Aber auch die Nachbarin, die wie jeden Tag für ein Schwätzchen am Gartenzaun stehen bleibt, kann für den Junghund plötzlich furchtbar gruselig sein.

Die 3. Fremdelphase findet im Alter von ungefähr 9 Monaten statt.
Auch diese Phase kann sich bei spätentwickelnden Rassen nach hinten verschieben.

Das Verhalten ähnelt dem der 2. Fremdelphase. Allerdings kommt hier erschwerend die Pubertät hinzu.

Hier gilt es, den Hund genau zu beobachten. Zeigt er sich bei etwas ängstlich und unsicher, dann habt etwas Verständnis und versucht, eurem Hund die entsprechende Situation zu erleichtern.

Versucht er plötzlich andere Hunde zu provozieren oder entgegenkommende Menschen zu belästigen, darf das natürlich konsequent verboten werden.

In der Pubertät versuchen Hunde übrigens nicht, die Herrschaft innerhalb der Familie zu übernehmen. Es ist eine Zeit, in der es zu starken Hormonschwankungen und weitgreifenden Umbauprozessen im Gehirn kommt.

Auch hier kommt man mit etwas Verständnis und ruhiger Konsequenz weiter als mit Gewalt. Doch dazu mehr in einem anderen Artikel.

Die 4. Fremdelphase wird mit 16 bis 20 Monaten vermutet.

In diesem Alter beobachten viele Hundetrainer ebenfalls vermehrt unsicheres Verhalten, welches aber meist nur bei unbekannten Geräuschen, Situationen und Menschen auftritt. Nicht wie bei den zuvor genannten Fremdelphasen auch bereits bekannte Dinge.

Das richtige Verhalten in einer Fremdelphase

 

Wichtig ist vor allem ein ruhiges und gelassenes Auftreten, um dem Hund gegenüber Souveränität auszustrahlen. Das ist eine Grundvoraussetzung für Vertrauen. Und nur, wenn das vorhanden ist, kann der Hund mit eurer Hilfe für ihn gefährliche Erlebnisse überwinden.

Sollte euer Hund vor Gegenständen Angst haben, dann zwingt ihn nicht, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Ihr könnt vorgehen, diesen Gegenstand anfassen und euren Hund fröhlich auffordern, es euch gleichzutun, ohne aber an der Leine zu ziehen. Die meisten Hunde nähern sich zunächst zögerlich, stupsen es manchmal zunächst an und merken dann schnell, dass das Ding doch nicht so gefährlich ist.

Jeglicher Zwang, den ihr auf euren Hund in dieser Zeit ausübt, um ihn dazu zu bringen, sich diesen Situationen zu stellen, kann dazu führen, dass er dauerhaft Angst davor entwickelt.

Während der Fremdelphasen solltet ihr euren Hund außerdem nicht überfordern. Alles, was ihm vertraut ist, hilft ihm über die Zeit. Neue Situationen solltet ihr meiden.

Routinebesuche beim Tierarzt können auch für ein paar Wochen verschoben werden. Ihr solltet keinem Hund in dieser Zeit das Busfahren beibringen oder ihm die Tiere im Tierpark vorstellen wollen. Und Veranstaltungen mit vielen Menschen dürfen dem Hund zuliebe auch mal ausfallen.

Fremdelphasen – wenn der Hund scheinbar rumspinnt
3.5 (70%) 6 votes

Schon gelesen?

5 Tipps für den Umgang mit Angsthunden

Das Leben mit einem Angsthund kann eine Herausforderung sein und so manchen Halter an seine …

8 Kommentare

  1. Okay von der Fremdelphase bei Hunden habe ich noch nie zuvor was gelesen. Ist dieser Zustand wirklich so schlimm, sodass z.B. Hunde angst vor Gegenständen oder Personen haben?

    Bei Kindern, bei Fremdeln durch einen Angst vor dem Unbekannten, soll man kleine „Trennungen“ schon früh üben. So kann man das Fremdeln gut bremsen.

    • Ob es wirklich schlimm ist, hängt vom Hund ab. Es muss natürlich nicht immer so sein, dass der Hund vor allem Angst hat.

      Frühe Trennungen bei Kindern haben kaum Einfluss auf das Fremdeln. Wenn man es gut macht, es nicht übertreibt und sie vor allem nicht zu zu vielen verschiedenen Leuten gibt, führt es dazu, dass sie weniger klammern und mit Trennungen allgemein etwas besser zurechtkommen.

  2. Danke für diesen Artikel.
    Vor etwa einer Woche habe ich mir riesige Sorgen gemacht was plötzlich mit meiner fast 5 Monate alten Hündin passiert ist.
    Sie hat draußen Angst vor fast allem, Menschen und Hunden, die davor immer fröhlich begrüßt worden sind werden nun angeknurrt und sie ist fast die gesamte Zeit sehr angespannt und unsicher.

  3. Hallo von mein Sohn die Hündin ist ca 7 monate alt und wenn jemand zu ihm Besuch kommt oder sonst irgendwas dann spinnt sie total rum übertreibt hört nicht mein Sohn macht sie dann in Flur bis sie sich beruhigt hat oder habt ihr andere Ideen

    • Was immer ganz gut hilft, ist ein gemeinsamer Spaziergang BEVOR der Besuch wirklich hineinkommt. Man plant also Besuche immer so, dass man sich draußen trifft und erst einmal 15-30 Minuten oder je nach Alter auch länger zusammen geht. Je länger desto besser. Im Haus sollten sich die Besucher gegenüber dem Hund zurück halten, um ihn nicht durcheinander zu bringen und ihn zur Ruhe kommen zu lassen. Je nach Hund helfen auch Kauknochen oder ähnlichen, mit denen sie sich beschäftigen und ablenken können. Wegsperren kann das Verhalten noch verstärken. Ich persönlich kenne jedenfalls keinen Hund, dem Wegsperren langfristig geholfen hätte sein Verhalten zu verbessern.

  4. Elena Argiriou-Küster

    Spannend, wir haben einen ca 7 jährigen Podengo- Portuguese Mix aus dem Tierschutz und er hat diese Fremdelphasen auch jetzt noch ganz stark. Immer wieder auftretend und abebbend aber sie sind da…

  5. Hallo wir haben einen 7 Monate alten Havaneser er war immer sehr lustig und verspielt und seit es jetzt verstärkt regnet und Donnert ist er kaum ansprechbar verzieht sich unter die Couch, versteckt sich im Bad, beachtet mich nur wenn er etwas möchte Gassi gehen wenn ich ihn anspreche raus zugehen oder wenn es Fressen gibt kommt er erst nicht oder verschwindet wieder unter die Couch dann muss er natürlich nachts unterwegs bleibt er stehen wenn er ein Geräuch wie Donner hört zum fressen muss ich ihn fast zwingen was kann ich tun

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.