Cocker Spaniel – Aggression inklusive?

Cocker Spaniel wurden vom Jagdhelfer zum Familienfreund.
Der Englische Cocker und der Amerikanische Cocker unterscheiden sich teilweise sehr und sind nicht für Jedermann geeignet.
Vor allem der Engländer hat den Ruf eines Problemhundes.
Zu Recht?

Geschichte der Cocker Spaniel

Cocker Spaniel gehören zu den ältesten Jagdhunderassen. Erste Nachweise gab es bereits vor einigen hundert Jahren. Spanielähnliche Hunde gab es bereits einige Jahrhunderte v. Ch..

Der Englische Cocker Spaniel ist offiziell seit Anfang des 19 Jahrhunderts bekannt. Er hatte die Aufgabe Wild aufzuscheuchen und in Richtung der Jäger zu treiben. Später kam teilweise noch das Apportieren von Geschossenem hinzu.

Ein Jahrhundert später tauchte ein ähnlicher Hund in den USA auf. Der Amerikanische Cockerspaniel wurde weniger zur Jagd genutzt. Er war beliebter Familienhund und wurde viel auf Ausstellungen gezeigt.

Charakter und Pflege der Spaniel

Aufgrund des unterschiedlichen Zuchtziels unterscheiden sich beide charakterlich etwas. Beide sind sie lebhaft, benötigen viel Beschäftigung und haben Jagdtrieb.

Der Amerikanische Cocker Spaniel ist jedoch etwas ruhiger, leichter erziehbar und kann – Konsequenz und ausreichende Auslastung vorausgesetzt – in den meisten Fällen problemlos ohne Leine laufen.

Beim Englischen Cocker Spaniel ist das nicht selbstverständlich. Er nutzt gern jede Gelegenheit, um im Dickicht zu verschwinden und reagiert besonders auf Vögel, weil er überwiegend zur Entenjagd genutzt wurde.

Sofern kein Jagdeinsatz geplant ist, sollten Alternativbeschäftigungen geboten werden. Abgesehen von langen Wandertouren sind hier vor allem Mantrailing und Flächensuche, aber auch Zielobjektsuche oder professionelle Rettungshundearbeit zu empfehlen.

Das lange seidige Fell sollte sorgfältig gepflegt werden, da es schnell verfilzt. Der Amerikaner hat im Gegensatz zum Engländer sehr viel mehr Fell und ist deshalb noch pflegeintensiver. Beim von Cockern beliebten Durchstreifen des Gestrüpps, hängen hinterher oft unzählige Kletten und andere Sachen im Fell fest, die teilweise schwer zu entfernen sind. Hier macht es sich bezahlt, wenn der Hund schon als Welpe an die Fellpflege gewöhnt wurde.

Verhaltensprobleme bei Cockern

Bei beiden Rassen kann gehäuft stereotypes Verhalten beobachtet werden.
Der Amerikanische Cocker Spaniel neigt zu monotonem Dauergebell, insbesondere wenn er nicht ausgelastet ist und sich langweilt. Im Alter nimmt dieses Verhalten noch zu.
Der Englische Cocker Spaniel zeigt dagegen in Stresssituationen schnell Bewegungsstereotypien.

Überhaupt ist der Englische Cocker Spaniel nur bedingt als Familienhund geeignet. Zwar scheint die früher bei ihnen auftretende Cockerwut nicht mehr relevant zu sein, dennoch ist er vor allem in Großbritannien als Problemhund bekannt. Sogar Studien kamen zu dem Ergebnis, dass diese Rasse häufiger aggressives Verhalten zeigt.

Woran das genau liegt und ob es noch einen Zusammenhang mit der früheren Cockerwut gibt, ist nicht bekannt. Hier spielen wahrscheinlich mehrere Faktoren eine Rolle.

  • So scheinen bestimmte britische Zuchtlinien besonders betroffen zu sein.
  • Vermischung von Show- und Arbeitslinien führen außerdem dazu, dass Arbeitshunde in Privathänden nicht ausgelastet sind und vermehrt Verhaltensauffälligkeiten zeigen.
  • Bei roten Cockern kommt ein eher schlechter Umgang mit Stress hinzu, der mit der Fellfarbe zusammenhängt. So ist das Gen, welches für die rote Pigmentierung zuständig ist, u.a. auch bei der Vermehrung von Cortisolbindungsstellen im Gehirn beteiligt. Das führt dazu, dass Cocker in Stresssituationen empfindlicher auf Cortisol reagieren und vermehrt zu Angst- und Selbstschutzaggression neigen.
  • Außerdem leiden Cocker Spaniel nicht selten an Epilepsie. Vor allem einfarbige sind betroffen. Es ist deshalb möglich, dass es zu plötzlichen Nervenimpulsen im Gehirn kommt, die keinen deutlichen Anfall hervorrufen, sondern sich nur durch eine plötzliche, unerklärliche Verhaltensänderung äußern.

Erkrankungen beim Cocker Spaniel

Cocker Spaniel zeigen sich empfindlicher gegenüber Taurinmangel als andere Rassen. Die Folge können Herzerkrankungen sein. Da einige sogar unter Mangel leiden, wenn ihr Futter ausreichend Taurin enthält, ist es sinnvoll den Wert kontrollieren zu lassen und dem Futter bei Bedarf Taurin zuzugeben. Besonders oft wird die Dilatative Kardiomyopathie (DCM) diagnostiziert, bei der die Pumpleistung des Herzens abnimmt.

Beide Cockerrassen neigen zu Allergien, Haut- und Ohrproblemen. Der Englische Cocker Spaniel zeigt eine Prädisposition zu Allergien und Unverträglichkeiten, dessen Folge häufig auch Ohrentzündungen sind. Amerikanische Cocker Spaniel neigen auch unabhängig von Hautproblemen zu chronisch eitrigen Ohrentzündungen.

Vor allem beim Englischen Cocker kommt das Kongenitale Vestibularsyndrom gehäuft vor. Das ist eine Erkrankung des Innenohrs, die sich durch Gleichgewichtsstörungen äußert und oft mit einem Schlaganfall verwechselt wird.

Desweiteren leiden einige an einem genetischen Defekt, der die Kollagenbildung betrifft und zu einer Nierenerkrankung, der Familiären Nephropathie. führt, an der bereits Junghunde erkranken. Auch die Progressive Retina-Atrophie und weitere Augenerkrankungen kommen bei Cockern gehäuft vor.

Spanielartige Hunde besitzen eine Prädisposition zur Autoimmunhämolytischen Anämie (AIHA). Bei dieser Erkrankung kommt es zu einem Zerfall der roten Blutkörperchen. Da dies vom Körper selbst veranlasst wird, ist sie selten heilbar, oft tödlich und erfordert in den meisten Fällen strikte tierärztliche Kontrollen, weil es immer wieder zu starken Blutarmutsschüben kommt.

Außerdem gehören Cocker Spaniel zu den wenigen Kleinhunderassen, bei denen häufiger Hüftgelenksdysplasie vorkommt. Hier ist es wichtig, auf ein Idealgewicht des Hundes zu achten. Das ist nicht ganz einfach, denn Cocker Spaniel haben IMMER Hunger.

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